Frank Zappa fährt Bahn
veröffentlicht am 8. Januar 2008 von Ansgar Bolle
Was machen vier Franzosen an einem Sonntag vormittag im Bord-Bistro eines IC’s in Richtung Norden? Richtig, sie sind unterwegs nach Münster und den Zappa hatten sie im Gepäck…
Da saßen sie also, parlierten en francais und ich dachte so bei mir “das müssen eigentlich Jazzer sein”. Ist wohl so eine Art optisches Vorurteil oder ein visuelles Etikett, welches ich bestimmten Menschen anpappe: Ich weiß nicht genau, was es ist, aber ich erkenne Musiker, Jazzer vor allem, an ihrem betont lockeren Auftreten. So lässig-léger, irgendwie süß-knautschig.
Die vier waren eigentlich neun, gehörten zu Bernard Struber’s Z’TETT, gingen mit mir in Münster von Bord und waren der erste Act beim diesjährigen Mini-Zwischen-den-Jahren-Festival “Jazz InBetween 2008″ im Großen Haus der Städtischen Bühnen Münster. Das wartete übrigens gleich mit zwei revolutionären Neuerungen auf: der rote Flügel - eigentlich schon fast ein Markenzeichen - war futsch (wieso eigentlich) und die Bühne hatte plötzlich Wölkchen.
Aber was hat das nun alles mit Frank Zappa zu tun? Berechtigte Frage! Zum einen hat Sie der Titel doch bestimmt aufmerksam gemacht und zum anderen hat es Frank Zappa dem gerade erwähnten Straßburger Struber und seinem Mitmusikanten mächtig angetan. In dem grandiosen Auftakt-Konzert des Abends verquirlten die Neun viele Zappa’sche Klangteilchen mit furiosem Jazz-Handwerk zu einer quicklebendigen Rock-Jazz-Melange - facettenreich, gekonnt, kreativ und zum mit-zappa’ln. Die Klamotten irgendwie so süß-knautschig - versteht sich. Jazzer eben…
Auch Luciano Biondini ist somit ganz offensichtlich ein Jazz-Musiker. Aber was für einer: kommt auf die Bühne, sammelt sich kurz, schließt die Augen (die er - glaube ich - bis zum Ende seines Konzertes nicht wieder aufgemacht hat) und wirft ein Klang-Netz aus, in dem sich alle Zuhörer sofort verfangen. Nun klingt “Accordeon Solo” zunächst mal wenig spannend - braucht es dazu nicht Begleitung? Die Antwort lautet ganz klar “Nein”. Biondini haut in die Tasten, er umarmt seine Victoria zärtlich, entlockt ihr einen wahren Ton-Orkan, ein Universum der Töne. Improvisationen wechseln sich ab mit traditionellen Zitaten, kleine Ideen werden zu rasanten Variationen. Der Mann braucht kein Begleitorchester - der Mann IST ein Orchester. Und als er sein Konzert beendet hat, öffnet er die Augen und wartet ab, bis sein Publikum wieder zu Atem kommt. Ganz großes Kino.
Klassisch der Abschluß des Abends - im Hinblick auf die Besetzung. Das Jef Neve Trio aus Belgien (”Das sind Flamen…”) sind: ein Bassist, ein Schlagzeuger und der Kopf der Truppe, Jef Neve am Klavier. Und der versteht sein Handwerk. “Mal sehen, ob man den wirklich mit Esbjörn Svenson vergleichen kann…” raunte es neben mir. Keine Ahnung, ob dem so ist, aber wer ein voll besetztes Haus so vom Hocker reißt, kann eigentlich kein schlechter Tastenmann sein. Mal melodiös, mal romantisch improvisierend, saugt sich Neve in die Tasten und liefert meinen Höhepunkt des Abends.
Einen von dreien.
- Bilder des Abends (bei Interesse bitte einfach eine Mail an bolle@multimediadesign schicken)
- Google-Presseschau
- Website des Internationalen Jazzfestivals Münster
- Westfälische Nachrichten
- derwesten.de
- echo-muenster.de
Allgemein
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